Forschungs- und Innovationsprojekt OptiHemp
Verwertung und Anbauoptimierung von Hanf als Nachwachsender Rohstoff
Bild: Tobias Hase/StMELF
Hanf mit seinen vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten soll wieder vermehrt angebaut werden, da mit dieser Erweiterung des Kulturartenspektrums die Biodiversität gestärkt werden kann. Durch innovative Hanfprodukte wie CBD-Extrakte entstehen neue Chancen für die Wertschöpfung im ländlichen Raum. Durch das Projekt werden konkrete Empfehlungen zum nachhaltigen Anbau sowie den erzielbaren Qualitäten und Erträgen für die diversen Nutzungspfade erarbeitet. Beratungsaussagen sind nötig zu Sortenwahl, Saatdichte und -zeitpunkt, Erntetermin sowie zum Stickstoffbedarf. Auch die rechtliche Situation und die Marktlage werden laufend ermittelt und in der Beratung weitergegeben.
Ziel
Methode/Arbeitsschwerpunkte
Im Rahmen des Projekts wurden wichtige Forschungsfragen zum Hanfanbau, Nutzungsrichtungen und Marktpotenzial durch folgende Vorgehensweise eruiert:
- Klärung produktionstechnischer Fragen je nach Nutzungsrichtung sowie Möglichkeiten mechanischer Unkrautregulierung in Körnerhanf
- Prüfung der Standortvoraussetzungen
- Ökologische Bewertung, besonders mit Blick auf Gewässerschutz
- Erarbeitung konkreter Sortenempfehlungen je nach Nutzungsrichtung und Fruchtfolgestellung
- Anzeigen der möglichen Verwertungsvarianten und Kopplungsnutzung
- Netzwerkarbeit zur Bereitstellung von Kontakten zu Verarbeitern, Verleihmöglichkeiten für Erntegeräte sowie Informationen zur rechtlichen Situation
- Vorstellung der Erkenntnisse am jährlichen TFZ-Feldtag und durch Informationsmaterial
Ergebnisse
- Hanf benötigt optimale Aussaatbedingungen: tiefgründiger und humoser Boden, keine Bodenverdichtungen, Bodentemperatur zur Aussaat >10 °C und gute Wasserverfügbarkeit.
- Der sehr geringe Kornertrag von 3 dt/ha, im Vergleich zu durchschnittlich 16 dt/ha, in dem Versuch zur Frühaussaat 2020 hat die Bedeutung der Bodentemperatur zur Aussaat für das Hanfwachstum verdeutlicht.
- Die Wachstumskurve entsprach in beiden Jahren dem für Hanf typischen Wachstumsverlauf. Nach einer anfänglichen Phase von vier Wochen mit geringem Längenwachstum folgte in den nächsten vier Wochen ein rascher Anstieg, bevor das Längenwachstum wieder abflachte und die Endhöhe (FINOLA: 70 bis 184 cm, Earlina 8 FC: 128 bis 233 cm, Henola: 170 bis 209 cm, Futura 75: 182 bis 297 cm) erreichte.
- Vogelfraß hat einen hohen Einfluss auf den Kornertrag: Die Ertragsverluste ohne Vogelschutzmaßnahme lagen bei 2,9 dt /ha.
- Bei weiten Reihenabständen oder lückigen Beständen ist in Körnerhanf eine mechanische Unkrautregulierung mittels Hacke empfehlenswert, da sich sonst Beikräuter zu stark ausbreiten.
- Starke Unterschiede der Ertragsparameter zwischen den Standorten Straubing und Haus Düsse (Nordrhein-Westfalen) verdeutlichen die Bedeutung der Standortvoraussetzung und der Witterung beim Hanfanbau.
- Bei einer verfügbaren Stickstoffmenge von 160 kg N/ha wurden in Abhängigkeit des Versuchsjahres und Standorts 14 bis 24 dt TM (FINOLA), 9 bis 12 dt TM (Earlina 8 FC) und 11 dt TM (Henola) Körner/ha, 91 bis 145 dt TM Röststroh/ha und 6 bis 21 dt TM Blüten/ha geerntet.
- Die Ergebnisse aus den Stickstoff (N)-Düngeversuchen der Nutzungsrichtungen Faserhanf, Körnerhanf und CBD-Hanf geben bisher keine Anhaltspunkte dafür, von dem empfohlenen gemeinsamen Bedarfswert von 160 kg N/ha abzuweichen. Es hat sich allerdings gezeigt, dass der Kornertrag, anders als der Faserertrag, mit zusätzlicher Düngung über 160 kg N/ha hinaus weiter ansteigt. Dies spiegelte sich auch in der abgefahrenen Stickstoffmenge im Erntegut wider. Im Körnerhanf stieg sie mit steigender N-Verfügbarkeit bis 240 kg N/ha an, wohingegen im Faserhanf ein geringerer, teilweise abflachender, Anstieg beobachtet wurde. In allen Nutzungsrichtungen lag der Nmin-Gehalt im Boden nach der Ernte niedriger als zu Vegetationsbeginn und nahm mit steigender N-Verfügbarkeit leicht zu.
- Wird aufgrund der Standortvoraussetzungen oder einer schlechten Bestandsetablierung von einem niedrigen Ertragsniveau ausgegangen, ist eine Reduzierung der verfügbaren Stickstoffmenge auf maximal 120 kg N/ha zu empfehlen. Dadurch lassen sich Stickstoffverluste minimieren.
- Die Höhe der verfügbaren Stickstoffmenge hatte weder nachweisbare Auswirkungen auf die Faserqualität noch auf die qualitätsbestimmenden Eigenschaften der Körner, wie z.B. Rohfettgehalt, THC- und CBD-Gehalt. Dagegen nahm der Anteil großer Körner (> 3 mm) mit steigender verfügbaren Stickstoffmenge zu. Die Sorte Henola hatte generell einen höheren Anteil großer Körner als die Sorten FINOLA und Earlina 8 FC.
- Für den CBD-Hanf zeichnete sich ein Anstieg der CBD-Erträge mit späteren Ernteterminen ab.
- Vor dem Anbau sollten die Abnehmer für das Erntegut feststehen. Während die Vermarktung von Hanfkörnern meist problemlos über Lebensmittelhersteller oder die Direktvermarktung möglich ist, ist die Abnahme des Hanfstrohs nicht garantiert. Da die für die Strohverarbeitung benötigten Anlagen und Verarbeiter zum jetzigen Zeitpunkt in Bayern nicht existieren, ist eine regionale Verarbeitung von Faserstroh aktuell ausgeschlossen.
Einblicke in das Projekt
Weiterführende Informationen
- TFZ-Bericht 78 (Kurzfassung): Verwertung und Anbauoptimierung von Hanf als Nachwachsender Rohstoff 1,7 MB
- OptiHemp: Verwertung und Anbauoptimierung von Hanf_SuB_Heft_5-7_2021_S_26-28 288 KB
- OptiHemp: Verwertung und Anbauoptimierung von Hanf_SuB_Heft_9-10_2022_S_22-25 387 KB
- Weiter zu: Nutzhanf (Cannabis sativa L.)
Projektinformationen
Projekttitel: Verwertung und Anbauoptimierung von Hanf als Nachwachsender Rohstoff
Projektleitung: Dr. Maendy Fritz
Projektbearbeitung: Karolin Eichhoff, Susanne Scholcz
Laufzeit: 01.01.2020–31.12.2022
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF)
Projektpartner:
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT)
TUM Campus Straubing Organisch-Analytische Chemie
Landwirtschaftskammer NRW – Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse
Förderkennzeichen: G2/N/19/07